Schon an manchen Punkten Dresdens sieht man fern in südöstlicher Richtung die langgestreckte Sandsteintafel des Hohen Schneeberges mit dem hochaufragenden Aussichtsturm.

Elbsandsteingebirge im Morgennebel vom Hohburkersdorfer Rundblick aus gesehen,
in der Mitte der Lilienstein, darüber der Hohe Schneeberg
Vor über 230 Jahren, nämlich 1779 weilte Kaiser Joseph II. während einer Inspektionsreise durch Nordböhmen auf dem Hohen Schneeberg. Sein Tagebucheintrag vom 23.September 1779 dazu lautet: „Allda ist das Aussehen sowohl nach Sachsen als gegen Böhmen sehr schön und sieht man vollkommen Königstein, Dresden und alle übrigen Gegenden. Es ist etwas steil hinaufzukommen und noch beschwerlicher herunter gegen das Dorf Schneeberg.” Dies dürfte wohl zugleich die älteste überlieferte Nachricht vom Hohen Schneeberg sein. An den Besuch von Kaiser Joseph erinnerte auf dem Hohen Schneeberg ein Gedenkstein, der aber bereits 1883 als "schon stark verwittert" bezeichnet wurde.

Der Triangulierungs-Stein von 1808
Der Hohe Schneeberg bildete seit Anfang der Österreichischen Landesvermessung einen wichtigen Fixpunkt. Ein unscheinbarer Stein mit der Jahreszahl 1808 nicht allzuweit vom höchsten Punkt des Berges an der SW-Ecke, ungefähr dort wo der Wanderpfad von Vorder-Schneeberg das Plateau erreicht, erinnert an die sogenannte Franziszeische Landesaufnahme (1806-1869) (oder II. militärische Landesaufnahme), die zweite kartographische Landesaufnahme im Habsburgerreich, die unter Kaiser Franz I. 1806 begonnen wurde. Am Beginn dieser Landesaufnahme stand eine Triangulierung (Erste Militär-Triangulierung) der gesamten Monarchie (ein damals ziemlich neues Verfahren), die jedoch 1811 aufgrund der Napoleonischen Kriege aus Geldnot eingestellt werden mußte (1812 mußte Österreich den Staatsbankrott verkünden). 1808 wurden dabei West- und Nordböhmen bis etwa zur Elbe von Lieutenant August Kielmann und seinem Assistenten Lieutenant Leopold von Potier vermessen, der Hohe Schneeberg wurde im Herbst erreicht. Kielmann war zu dieser Zeit Inspector und Lehrer für Situations-Zeichnung und Tactik an der k.k. Militär-Akademie in Wiener Neustadt. Der Stein trägt auf der Südseite die lateinische Abkürzung "Ast. Trig. Op.", die Jahreszahl "1808" auf seiner östlichen Seite, auf der Nordseite die lateinische Abkürzung "Reg. Imp." und auf der Westseite den Namen "Franc. I.". Diese Zeichen haben zusammen in genau dieser Reihenfolge gelesen etwa die folgende Bedeutung: "Astronomisch-Trigonometrische Arbeiten 1808 unter der Herrschaft Kaiser Franz I." Zugleich gibt diese Beschriftung den Hinweis, daß neben den trigonometrischen Messungen hier auch astronomische Beobachtungen zur Positionsbestimmung durchgeführt wurden. Diese Messungen wurden von Major Ludwig August Fallon (1776–1828) durchgeführt und ergaben eine Position von 50° 47' 31,3" N und 31° 45' 55,8" O (wobei bei der östlichen Länge berücksichtigt werden muß, daß der Nullmeridian noch nicht durch die Sternwarte von Greenwich festgelegt war, sondern durch die Westspitze der Insel Ferro - heute El Hierro, der westlichsten Insel der Kanaren und damit dem Ende der Alten Welt). Dieser Stein wird in der Literatur ganz selten korrekt erwähnt, hingegen beschreiben viele Reiseführer des 19.Jh. (und auch Webseiten des 21. Jhs. !) einen Gipfelstein mit der Aufschrift "MONUMENTUM ASTRONOMICO-GEOMETRICUM". Die Lösung dieses Rätsels liefert uns H. Leupold's Wanderbuch durch Sachsen, das um 1860 erschien. Hierin liest man: "... Wir besuchen nun noch das Monumentum astronomico-geometricum, den 1824 bei Böhmens Vermessung gesetzten Stein. An ihm liest man noch:..." und es folgt die oben aufgeführte Inschrift (in anderer Reihenfolge). Allerdings ist auch hier die Jahresangabe für das Setzen des Steines falsch, denn 1824 erwähnt Professor Hallaschka den Stein schon als Triangulierungsstein des k.k. Generalquartiermeisterstabes. Genau dieser Stab führte die erste Militärtriangulierung von 1806-1811 aus. Hingewiesen wird im Wanderbuch noch darauf, das dies der Gipfelpunkt des hohen Schneebergs ist, 2208 Fuß (717,25 m) hoch. Auch dies stimmt nicht ganz, da der höchste Punkt des Schneeberges unweit seiner SW-Ecke und nicht am Triangulierungs-Stein zu finden ist. Im Jahr 1808 wurden die Dreieckswinkel zu den Signalen auf dem Geltsch, dem Donnersberg (Milleschauer) und dem Zinnwalder Berg (Totes Kind) gemessen. Die Winkel nach Osten zum Wolfsberg südlich Steinschönau, zum Kaltenberg und zu einem noch nicht genau ermittelten Berg westlich Schluckenau (möglicherweise der Gerstenberg zwischen Lobendau und Wölmsdorf) wurden 1810 bestimmt. Auch zum Rosenberg fanden Messungen statt, jedoch ist der Rosenberg im späteren Triangulationsnetz nicht mehr zu finden. Das Kartenblatt mit dem Hohen Schneeberg aus der Landesaufnahme unter Kaiser Franz I. findet man hier. Die Gipfelhöhe ist hierauf mit 381,57 Wiener Klaftern (723,65 m) im Vergleich zur heute gültigen Höhe von 723,1 m n.m. schon sehr genau angegeben. Über dem Triangulierungsstein wurde ein etwa 20 m hoher Holzturm zur Beobachtung der umliegenden Triangulierungspunkte aufgebaut, der in den folgenden Jahren bis etwa 1820 auch als Aussichtsturm genutzt wurde. Im Jahr 1824 bestimmte Professor Hallaschka die geographischen Koordinaten und die Höhe des Schneeberges neu (50° 47' 28,75" N 31° 46' 13,5" O, die Höhe wurde barometrisch bestimmt mit 358,23 Pariser Klafter gleich 698,19 m über der Nordsee - ein deutlich schlechteres Ergebnis als bei der Triangulierung), um letztendlich die genaue geographische Position des Tetschner Schloßturmes zu ermitteln. Albert Schiffner erwähnt 1835 eine Signalpyramide, die "sonst über dem Gipfelstein aufgerichtet war". Edwin Müller schreibt 1850 "ewig schade ist es, daß auf der höchsten Spitze des Berges kein Aussichhtsthurm wieder errichtet ist [...] (früher soll einer dergleichen hier gestanden haben)". Theobald Grieben erwähnt an diesem Ort 1857 einen "Aussichtsturm [...],der jedoch verfallen und leider nicht wieder ersetzt ist". Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß sich alle diese genannten Bemerkungen auf den Triangulierungsturm beziehen.
Im Jahr 1822 erwähnte Wilhelm Adolph Lindau einen Telegraphen unweit der Tetschener Aussicht. Dieser war aber vermutlich kurzlebig, da die erste ordentliche Telegraphenlinie in Österreich erst 1835 in Betrieb ging. Jedoch wurden auch schon von etwa 1808 - 1812 einige Telegraphen betrieben, hauptsächlich zu militärischen Zwecken. Damals wurde mit Optischen Telegraphenlinien gearbeitet, deren Stationen im Abstand von 10..20 km angeordnet waren.
In einem von einem Beamten der Herrschaft Tetschen gefertigtem Schriftstück, das von dem z.Zt. des Baues des jetzigen Turmes amtierenden Forstmeister Adam Seidel ergänzt wurde, heißt es:
"Bei den im Jahre 1862 von den wissenschaftlichen Kapazitäten aus Österreich, Preußen und Sachsen stattgefundenen Verhandlungen über eine neue mitteleuropäische Ländertriangulierung (oder mitteleuropäische Gradmessung) wurde der Hohe Schneeberg von der Kommission für die Verbindung der drei Staaten als ein unerläßlich wichtiger Vermessungspunkt anerkannt.
Das bewaldete Plateau von 154,5 Joch (ca. 112 Hektar) gestattete jedoch von keinem Platze eine freie Rundsicht für die Gradmessung, und der Zweck konnte daher nur auf zwei Wegen erreicht werden: entweder durch die Erbauung eines geeigneten Turmes oder durch sternförmiges Durchlichten des Waldes mit Schneisen nach den korrespondierenden Bergen in Böhmen und Sachsen. Von der k.k. Staatsverwaltung war eine Unterstützung an Geld für die Herstellung eines Turmes nicht zu erwarten, weshalb die Durchführung nur auf die Schneisen angewiesen erschien, wobei jedoch in Erwägung kam, daß durch das Öffnen der Waldbestände nach allen Richtungen diese den Elementareinwirkungen, namentlich den Stürmen, der gänzlichen Zerstörung ausgesetzt würden. Der k.k. Generalmajor und Direktor des militärgeographischen Instituts in Wien, August von Fligely (1810-1879), als Vorsitzender der hier tagenden Kommission, wendete sich an Se. Exzellenz den Grafen Franz Anton Thun mit der Bitte, das wissenschaftliche Unternehmen zu unterstützen und einen über den Wald herausragenden Turm erbauen zu lassen, um nicht zu den Durchlichtungen Zuflucht nehmen zu müssen. Se. Exzellenz geruhte nicht nur die Herstellung eines für diesen Zweck erforderlichen einfachen, sondern zugleich eines Aussichtsturmes nach dem Entwurfe des Oberlandesbaumeisters Haenel in Dresden mit monumentaler Konstruktion massiv in Stein und Eisen ganz ohne hölzerne Bestandteile und 105 Fuß Totalhöhe, zu genehmigen.

Der rekonstruierte Aussichtsturm (2001)
Im Frühjahr 1863 wurde der Bau im Akkordwege nach den Offerten der niedrigsten Einheitspreise an den Baumeister Josef Perthen in Bodenbach-Weiher vergeben, vorerst die unebene Felswand zur Basis durch mühsames Abspitzen geebnet und hierauf der Bau begonnen, dann ein fest verriegeltes Gerüst zur etagenweisen Erhöhung allmählich aufgestellt. Das Steinmaterial zu diesem Bau konnte auf dem Plateau nur zum Teil auf dem westlichen Felsenrande, wegen der großen Härte des dortigen Quadersandsteines, und zwar nur Bruchsteine, gewonnen werden. Für die Ornamente der vielen Steinmetzarbeiten mußte ein Bruch an den weicheren Felsen des steilen Absturzes an der Westseite eröffnet werden. woraus die Erzeugnisse mittels einer vorgerichteten Bahn, dann eines Flaschenzuges durch Pferde auf das Plateau gezogen und von dort zu Wagen auf den Bauplatz geführt wurden.
1863 wurde der Turm bis zur einer Höhe von 85 Fuß hergestellt und bis zum Herbst 1864 der ganze Bau nebst der Terrasse als ein monumentaler, allen Ansprüchen von architektonischer Schönheit entsprechender Prachtbau zur Benützung des Publikums vollendet. Das Gebäude ist im sog. Elisabethstil auf einem achteckigen, mit Aufgangstreppen versehenen, 11 Fuß hohen Unterbau in runder Grundform aufgeführt und mit einer durchschnittlich 5 Fuß hohen Zimmerbalustrade versehen worden. Im Innern führt eine steinerne Wendeltreppe zum oberen, durch 12 Fenster erleuchteten Stockwerke, von da eine freitragende gußeiserne Treppe nach der Plattform, welche auf einem Standpunkte von 2286 + 105 = 2391 Fuß (= ca. 750 Meter) eine großartige Rundschau über einen Teil Böhmens und Sachsens darbietet. Die Baukosten für den Schneebergturm betrugen insgesamt 19 673 österr. Gulden."
Hier soll kurz eingeschoben werden, daß als eigentlicher Vermessungspunkt ein Messingzylinder in die Mitte der Deckplatte der Turmlaterne eingelassen wurde, der den trigonometrischen Punkt (die Mittelachse des Turmes) markierte. In den Messingzylinder kann im Fall von Vermessungsarbeiten eine Stange eingesteckt werden. Dieser Messpunkt wird bis heute durch das Tschechische Amt für Landes- und Katastervermessung (CUZK) benutzt.
"Von österreichischer Seite hat die Triangulierung im Jahre 1864 zunächst mit der astronomischen Beobachtung für die Bestimmung der geographischen Breite durch Prof. Herr aus Wien begonnen und nach sorgfältigen Erhebungen mit genauen Instrumenten wurde die nördl. Breite mit 50 Grad 47 Min. und 36,524 Sek. mit einer Genauigkeit von +- 0,035 Sekunden ermittelt. Im Jahre 1865 wurde vom k.k. Major von Ganahl die Ländertriangulierung durchgeführt." Soweit zunächst Adam Seidel.
Major Johann von Ganahl (1817-1879) war ein fähiger Geodät und eine der maßgeblichen Personen in Österreich für die Ländertriangulierung (oder auch mitteleuropäische Gradmessung). Den damaligen Berichten zufolge konnte er sich schon im nächsten Jahr Oberstlieutenant nennen, drei Jahre später dann schon Oberst. Kurz vor seinem frühen Tod wurde er 1879 noch Direktor des Militärgeographischen Instituts in Wien.
Ebenfalls 1865 wurde in Vorbereitung der Messungen von sächsischer Seite auf dem Schneebergturm eine steinerne Vermessungssäule (Nagelsche Säule) errichtet, ebenfalls auf Kosten des Grafen Thun, die jedoch heute nicht mehr zu finden ist. Diese diente als "Station 1. Ordnung Nr. 8 Schneeberg" der Mitteleuropäischen Gradmessung und der Königlich-Sächsischen Triangulation.
Adam Seidel weiter: "Die Messungen sollten im Sommer 1866 von sächsischer Seite fortgesetzt werden, denn der Schneeberg war 1862 als Anschlußpunkt zwischen den Triangulierungspunkten beider Staaten festgelegt worden. Dies wurde jedoch durch die Kriegsereignisse 1866 sehr verzögert."
Die nun folgende Baukostenaufstellung soll hier nicht wiedergegeben werden. Adam Seidel weiter:
"Während des Turmbaues und des dadurch gesteigerten Fremdenbesuches, wofür eine kleine Restauration in einem hölzernen Häuschen errichtet worden war, ging der allgemeine Wunsch der Touristen und Naturfreunde dahin, es möge dort für ein gutes Unterkommen sowie auch zum Übernachten für den Genuß der Beleuchtung bei auf- und untergehender Sonne in der Nähe des Turmes ein Gasthaus erbaut werden.

Der Turm von Westen um 1900 (dahinter das Gasthaus)
Auch diesem Bedürfnis haben Se. Exzellenz abgeholfen und ein entsprechendes Gebäude, bestehend aus einem geräumigen Speisezimmer, acht kleinen Zimmern und drei Bodenkammern nebst Keller und Küche zum Bau bewilligt welches im Jahre 1865 hergestellt wurde. Das Erdgeschoß ist von Steinmauerwerk und das Stockwerk von Bindwerk mit Bretterverschalung hergestellt worden. Die Kosten hiervon betrugen 5 225 österr. Gulden.

Gastwirtschaft und Turm von Osten um 1910
Ferner ist eine vom Gasthause zwischen den Felsen zum Turme führende steinerne Stiege mit einem Kostenbetrage von 71,50 Gulden hergestellt worden. Das Gasthaus ist auf drei Jahre für 1866 bis 1868 ohne Einrichtungsstücke um den jährlichen Pachtschilling von 400 Gulden an den Pächter des Posthotels in Bodenbach verpachtet worden" - Soweit Forstmeister Seidel.
Am 17.Juni 1875 statteten König Albert von Sachsen mit seiner Gemahlin, Königin Carola, und Prinzessin Therese von Bayern nebst Gefolge dem Hohen Schneeberg einen Besuch ab. Ein Jahr später, am 24.Juni 1876, war Kronprinz Georg von Sachsen hier zu Gast. Zwölf Jahre später, am 30. September 1888, besuchte Prinz Friedrich August von Sachsen den Hohen Schneeberg, am 1. Juni 1905 ein weiteres Mal als König Friedrich August III. von Sachsen.
Der Turmwirt Weiß, der erste Pächter, wurde von seiner Nichte, Edeline Dörner, abgelöst. Ihr Sohn Gustav Dörner und Frau übernahmen Gastwirtschaft und Turm am 1.Mai 1906 und bewirtschafteten ihn volle 30 Jahre, wobei gewöhnlich zu Ostern geöffnet und im Spätherbst geschlossen wurde.

Die Terrasse der Gastwirtschaft, dahinter der Turm um 1910
Im Jahre 1936 wurde Willi Jugel, an den sich Ältere noch erinnern werden, Turmwirt und von diesem Zeitpunkt an begann die ganzjährige Bewirtschaftung zur Freude der immer zahlreicher werdenden Skifahrer.
Ebenfalls 1936 führte Prof. M.Färber von der Städtischen Technischen Lehranstalt in Bodenbach erstmalig in der damaligen CSR auf dem Turm Fernsehempfangsversuche durch. Es gelang ihm, mit einem selbstgebauten Empfänger den Ton des Fernsehsenders Berlin zu hören.
Turm und Gastwirtschaft haben den Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit relativ gut überstanden, die deutsche Bevölkerung hingegen wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Bis 1959 hat man dann eine elektrische Freileitung bis zur Turmwirtschaft gezogen, ansonsten war äußerlich alles noch wie vor dem Kriege. Die Wirtsleute, eine tschech. Familie, die schon vor 1938 in Bodenbach wohnte, hofften schon damals auf das Wiedereinsetzen des Fremdenverkehrs aus Sachsen, da die zugezogene tschechische Bevölkerung wenig Interesse zeigte, dem hohen Schneeberg einen Besuch abzustatten.
In den folgenden Jahren wechselten die Wirte fast jährlich. Einer von ihnen, Zdenek Mancal, der in Schneeberg wohnte und vorher die Gaststätte Grünzner (heute Hotel Sneznik) bewirtschaftet hatte, versuchte mit viel Mühe, der Turmwirtschaft wieder ein wenig Profil zu geben. Doch auch er mußte aufgeben, da der Zustrom an Touristen, trotz geöffneter Grenze, ausblieb. Ein anderer Wirt profilierte die Gaststätte zum Nachtlokal, was offensichtlich die damaligen Behörden auf den Plan rief, worauf die Schließung erfolgte.
Im September 1959 stand noch die alte Messingplatte mit dem eingravierten Relief der Berge und der deutschen Beschriftung vor der Restauration. Anfang der 60er Jahre wurde sie durch eine kleinere Kupferplatte mit tschechischer Beschriftung ersetzt. Ebenfalls Anfang der 60er Jahre installierte man auf dem Turm eine Sendeanlage, die von Soldaten der Armee bewacht wurde. Die Anlage wurde etwa 1980 wieder ausgebaut und die Wache abgezogen.
Seit dieser Zeit waren die Gastwirtschaft und auch der Turm der Zerstörung ausgesetzt. Eine Sportgemeinschaft übernahm damals die Patenschaft über den Turm und stellte für die Zeit in der die Turmwirtschaft ohne Wirt war, ehrenamtliche Wachen. Bergsteiger halfen den Turm notdürftig zu reparieren. Eine Dauerlösung war es nicht.
Etwa 1983 wurde das Gasthaus demoliert, Türen und Fenster eingeschlagen, die Einrichtung durch die Fenster auf den Hof geworfen und zerstört. Daraufhin wurde das Gebäude abgerissen und der Schutt abtransportiert. Diese Arbeit wurde so gründlich verrichtet, daß nur Eingeweihte noch wussten, wo die Turmrestauration stand. Diese Maßnahme stieß nun doch auf Kritik durch einen Teil der Bevölkerung, sogar das tschsl. Fernsehen sendete einen Bericht. Die Verantwortlichen von Eulau erklärten damals, es soll ein neues Gebäude errichtet werden.
Auch der Turm selbst wurde nicht verschont. Die schwere Holztür mit Eisenbändern hielt zwar stand, doch über das unterste Fenster verschaffte man sich Zugang zum Turm und ein Jahr vor Beginn der Restaurierung wurden aus der Turmkrone zwei schwere Sandsteinquader ausgebrochen und auf die Plattform gestürzt.
Ende der achtziger Jahre war die Zerstörung des Schneebergturmes schon weit fortgeschritten, glücklicherweise hat nach der Wende die neue Ortsverwaltung von Jilove (Eulau), zu deren Verwaltungsgebiet auch Sneznik (Dorf Schneeberg) gehört, beschlossen, den Turm restaurieren zu lassen. Den Auftrag dazu erhielt die Privatfirma Kamason, Decin (Tetschen-Bodenbach). Da kein Elektroanschluß vorhanden war, mußte ein Notstromaggregat die notwendigen Maschinen versorgen. Wasser wird, soweit vorhanden, aus den ehem. Löschwasserteichen entnommen oder mit Tankwagen über die Turmstraße, die leider Schäden aufweist, zur Baustelle gebracht. Nach mehr als einem Jahr Bauzeit (Kosten ca. 2 Millionen Kronen) wurde der Turm im Juli 1992 wieder seiner Bestimmung als Aussichtsturm übergeben.
Wer das Elbsandsteingebirge besucht und von irgendeinem Aussichtspunkt die Rundsicht genießt, dessen Blicke werden immer wieder von einem Punkte angezogen: dem Turm, der auf dem Gipfel dieses einzigartigen Gebirges steht. In den achtziger Jahren war es einsam geworden auf dem vom Waldsterben heimgesuchten Plateau des Berges. Wenn man verweilte und auf die Stimmen der Besucher achtete, so konnte man feststellen, daß der überwiegende Teil der Touristen aus dem nahen Sachsen kommt.
Bleibt noch anzumerken, daß sich im Sockelbau des Turmes auf dessen Südseite seit einigen Jahren ein Kiosk befindet, wo Touristen mittlerweile während des ganzen Jahres eine Erfrischung und die Eintrittskarten für den Turm bekommen können. (Geöffnet Mo-Fr 10-16 Uhr, Sa/So 9-17 Uhr)

Das neue Berggasthaus auf dem Hohen Schneeberg (1999)
Im Jahr 1999 wurde schließlich wahr, was schon niemand mehr zu hoffen wagte - ein neues Berggasthaus (Restaurace pod Rozhlednou / Restaurant unter dem Aussichtsturm) wurde gebaut. Am Platz des alten Gasthauses entstand es auch ganz in der Gestalt des Vorgängerbaues. Von der Veranda kann man wie früher einen weiten Blick nach Süden in Richtung des Böhmischen Mittelgebirges und des Polzenlandes, an klaren Tagen auch nach Osten bis zum Jeschkenkamm genießen. Zum Besuch lädt die Turmwirtschaft seit November 1999 täglich von 10 - 16 Uhr ein. Im Sommer wird man auch auf der Terasse vor dem Gasthaus bewirtet
Neuerdings gibt es auch eine Webcam auf dem Hohen Schneeberg, die vom Gasthaus aus in Richtung Tetschen-Bodenbach (nach Südost) blickt. Eine tschechische Seite zum Hohen Schneeberg mit manch interessantem Detail ist hier zu finden.
Quellen:
letzte Aktualisierung am 13.5.2012